Übers Stempeln, Reinigen und Rhodinieren

Schmuckpflege: ein Resümee nach dem Sommer

Wie jedes Jahr im Sommer haben uns auch in diesem Jahr wieder Nachfragen und Hilferufe erreicht, weil die Silberschmuckstücke anlaufen. Schweiß, Sonnencreme und Schwimmbäder tun ihr Übriges dazu (auf eine ziemlich lustige Anfrage vor einigen Woche zurückgehend: insbesondere Thermalbäder und Schwefelquellen sollte man mit Silberschmuck dringend meiden!! 😉 ). Und mehrfach kam es dann vor, dass wir Kundinnen empfahlen, ihre Stücke bei einem Juwelier vor Ort rhodinieren zu lassen – und diese Juweliere ernsthaft der Meinung waren, bei den Schmuckstücken könne es sich nicht um Silber handeln, schließlich sei da kein Stempel drauf. Was unsere Kundinnen entsprechend verunsicherte. Deshalb möchte ich mich heute mal ein bisschen ausführlicher dazu äußern.

Stempeln von Schmuck

Das deutsche “Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren“, kurz auch einfach “Stempelgesetz” genannt, regelt, wie der Feingehalt von Schmuck in Deutschland anzugeben ist. Der Feingehalt besagt, wieviele Teile eines bestimmten Edelmetalls, z.B. Silber oder Gold, in einer Legierung enthalten ist. Bei 935er Silber, unserer Standardlegierung, sind es 93,5% Silber und 6,5% Kupfer. Bei 585er Gold sind es 58,5% Gelbgold und der Rest sind variierende Anteile von Silber und Kupfer – Rotgold hat bspw. einen deutlich höheren Kupferanteil, Weißgold dagegen hat oft einen höheren Anteil an Silber und enthält oft zusätzliche Edelmetalle wie Palladium in der Legierung (mehr Infos über die verschiedenen Materialen gibt es hier: >> Kleine Materialkunde). Was offenbar viele Juweliere nicht wissen, ist, dass dieses Gesetz – im Gegensatz zu anderen Ländern – sehr liberal gehalten ist und nicht vorschreibt, dass gestempelt (oder, im Fachjargon: punziert) werden MUSS. Es ist ausdrücklich die Rede von “DARF”. Wenn man stempelt, muss der Feingehalt selbstverständlich korrekt angegeben werden. Stempelt man nicht, heißt das aber nicht automatisch, dass es sich nicht um Echtschmuck handelt.

Wir stempeln nicht. Warum? Weil es nicht schön aussieht. Wenn die Rückseite eines Kettenanhängers mit einer persönlichen Gravur, vielleicht einer handschriftlichen Widmung versehen ist, und dann unten drunter noch ein 935-er Stempel prangt, dann sieht das einfach nicht ästhetisch aus, sondern zerstört eher das Gesamtbild. In unseren Augen zumindest. Deshalb haben wir uns gegen das Stempeln entschieden. Wenn ein Juwelier dann daher geht und behauptet, ein dunkel angelaufenes Silberschmuckstück könne ohne Stempel ja gar kein Silber sein (ja, auch wilde Aussagen wie “da ist bestimmt Aluminium drin” haben wir schon gehört), dann zeugt das nicht von entsprechender Materialkenntnis, denn genau das Anlaufen ist ja typisch für Silber. Womit wir beim nächsten Punkt wären:

Reinigung von Silberschmuck

Ja, Silber läuft an. Das ist nicht schön, manchmal auch nervig, ist aber im Prinzip auch nicht schlimm. Denn es handelt sich hierbei um eine oberflächliche Verfärbung, die man mit einer einfachen Reinigung leicht wieder weg bekommt. Silber reagiert mit Schwefel, welches sich aus verschiedenen Gründen auf der Haut (z.B. Kosmetika, Ernährung) und in der Luft (z.B. an Straßen bzw. in Städten allgemein) befindet, zu Silbersulfid. Das hat einen braunen (teils golden wirkenden), manchmal auch schwarzen Farbton. Je nach Umfeld kann es schonmal sein, dass ein Schmuckstück relativ schnell – sogar innerhalb eines Tages – dunkel anläuft. Auch wenn ein Stück einfach nur in einer Schmuckschatulle einige Zeit liegt, kann es passieren, dass man es irgendwann rausholt und es partiell bräunlich aussieht.

Mal aus meinem ganz eigenen Nähkästchen geplaudert: ich selbst habe in den letzten Jahren, wenn für neue Designs Prototypen benötigt wurden, häufig die Abdrücke unserer Kinder verwendet, sodass ich die Stücke dann auch stolz tragen kann. Und ja, auch mein Silberschmuck läuft an. Wir sind Vegetarier und leben auf dem Land, ich benutze auch nur wenig Kosmetik, da geht das verhältnismäßig langsam, aber verhindern kann ich es auch nicht. Da hilft nur, ab und an mal ein Silbertauchbad zu nutzen oder alternativ unsere Reinigungscreme, die wir auch an verschiedenen Stellen empfehlen, nämlich Hagerty Silver Polish (das ist jetzt keine Werbung und wir kriegen auch keine Provision, sondern einfach nur unsere Erfahrungswerte). Nach Rücksprache mit dem Hersteller, also Hagerty, weise ich an dieser Stelle darauf hin, dass Hagerty Silver Polish eigentlich weniger für Schmuck und eher für Silberbesteck, -tabletts und dergleichen Haushaltsgegenstände zu gebrauchen ist – für uns erfüllt es seinen Zweck aber trotzdem. Lediglich, wenn Edelsteine eingefasst sind, sollte man sicherheitshalber auf ein anderes Reinigungsprodukt ausweichen (auch wenn ich schon an anderer Stelle gehört habe, dass die Reinigungscreme den Steinchen nichts ausmacht, aber sicher ist sicher).

Es gibt also verschiedene Reinigungsbäder für Schmuck (hier wird das Schmuckstück einfach für 5-10 Minuten hineingelegt, rausholen, abspülen, trockentupfen, fertig!), es gibt spezielle Silberpoliertücher (für die schnelle Pflege zwischendurch) und nicht zuletzt gibt es dann auch noch einfache Hausmittelchen, die man mal im Internet googeln kann (Alufolie, Salz, Spüli und dergleichen) – da ich hiermit weniger Erfahrung habe, möchte ich keine Empfehlung aussprechen, aber ich würde deren Wirksamkeit auch nicht grundsätzlich anzweifeln wollen. Wovor ich bei Silber eher warnen möchte, ist, mit einer Zahnbürste oder anderen Reinigungsgegenständen ranzugehen, die den Schmuck zerkratzen können. Damit tut man sich keinen Gefallen, denn Silber ist ein weiches Material und verzeiht sowas nicht.

Und wenn mal so richtig SOS angesagt ist? Dann meldet Ihr Euch bei uns! Wir nehmen lieber eins unserer Schmuckstücke zum Überarbeiten entgegen als dass Ihr Eure Stücke zu Juwelieren oder Goldschmieden zum Polieren bringen, die mit Abdrücken wenig Erfahrung haben – was einmal wegpoliert ist, ist weg, gerade wenn es um Feinheiten wie Krallen an Pfotenabdrücken geht. Wir überarbeiten Stücke nur sehr vorsichtig, im Zweifel lassen wir lieber den einen oder anderen kleinen Kratzer drauf als die Abdrücke in Mitleidenschaft zu ziehen.

Die elegante Lösung: Rhodinieren

Wer seinen Silberschmuck häufig trägt und keine Lust auf das ständige Reinigen hat, für den gibt es noch eine andere Lösung, nämlich den Schmuck einfach rhodinieren zu lassen. Das ist wie eine Art Vergoldung, aber mit Rhodium, einem Edelmetall, das einen ähnlichen Farbton wie Silber hat, er ist minimal dunkler und leicht blaustichig, aber das fällt im Zweifel nur denen auf, die genau hinschauen und den Unterschied kennen. Der Vorteil an dieser Variante ist, dass diese hauchdünne Rhodium-Schicht den Kontakt zwischen Silber und Schwefel verhindert und es damit nicht zum Anlaufen kommt. Auch hier muss man natürlich wissen, dass kleine Kratzer und Gebrauchsspuren auf dem Schmuckstück mit der Zeit die Schutzschicht durchdringen und es partiell wieder zum Anlaufen kommen kann – dann rhodiniert man einfach nochmal drüber. Die Schicht ist so dünn, dass sie selbst Gravuren nicht auffüllt, das kann man also mehrfach machen.

Das Rhodinieren bieten wir gern als Zusatzservice mit an. Der Aufpreis dafür liegt im zweistelligen Bereich, je nach Schmuckstückgröße ist es ein bisschen unterschiedlich, deshalb fragt einfach vor einer Bestellung direkt mit an, wenn Ihr schon wisst, dass Ihr das Schmuckstück gern rhodiniert haben möchtet. Es kann die Fertigungszeit um wenige Tage verlängern, hält dafür dann das Schmuckstück aber auch länger schön 🙂

Soviel von mir für heute, ich hoffe, diese Infos helfen Euch weiter – vielleicht ist es gerade jetzt, wo der Sommer fast vorbei ist, mal genau der richtige Zeitpunkt, Eurem Silberschmuck etwas Zuneigung und Pflege zu gönnen. Bei Fragen könnt Ihr einfach unter dem Beitrag kommentieren (dann können auch andere die Antwort gleich mit lesen) oder mir eine Mail schreiben an info@foya.de.

 

Alles Liebe,

Eure Katja

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