Bilder für die Ewigkeit // Erinnerung an Sternenkinder

Zwischen den Artikeln über unsere Schmuckstücke und den Infos rund um Abdrücke, Materialien und Gravuren lest Ihr hier bei uns auch immer mal etwas über die zwischenmenschlichen, emotionalen Aspekte unserer Arbeit – meistens in den Jahresrückblicken oder wenn ich mal etwas ganz Persönliches schreibe, wie damals über Emily Beazley, deren Geschichte uns sehr bewegt hat. Heute möchte ich Euch aus aktuellem Anlass ein weiteres sehr persönliches Thema vorstellen.

Es ist jetzt gut zwei Wochen her, dass wir in unserer Regionalzeitung, dem „Wochenblatt“, einen Artikel über die Fotografin Melanie Wiechert gelesen haben. Seitdem kreisen unsere Gedanken um ein Thema, über das wir sonst eher weniger nachdenken, weil es uns einen Kloß in den Hals und Tränen in die Augen treibt: Sternenkinder. Kinder, die vor oder während der Geburt versterben und deren Eltern nach der großen Freude über den kommenden Nachwuchs ganz plötzlich vor einer großen Leere stehen. Während ich dies schreibe, kämpfe ich schon wieder mit den Tränen, denn als Mutter von zwei Kindern möchte ich mir gar nicht ausmalen, wie es sein muss, sich von einem seiner Kinder verabschieden zu müssen. Umso bewundernswerter finde ich, was Melanie Wiechert tut: die Fotografin engagiert sich ehrenamtlich bei mehreren Organisationen, die Eltern von Sternenkindern begleiten, z.B. durch Trauerbegleitung, Beratung und sehr einfühlsam gestaltete Erinnerungsfotos.

 

Erinnerung an ein Sternenkind

© Melanie Wiechert mit freundlicher Genehmigung der Eltern

 

Eine dieser Organisationen ist „Hope’s Angel“, mittlerweile ein bundesweites Netzwerk aus Hebammen, Bestattern, Fotografen, Trauerbegleitern und Selbsthilfegruppen, die sich um betroffene Eltern kümmern, sie auffangen und Ihnen viel Unterstützung bieten. Ehrenamtliche Näherinnen fertigen winzige Kleidungsstücke, die „Sternenkleidchen“ an, eine Künstlerin zeichnet Portraits der Babies und die Organisation packt „Trosttaschen“ für die Eltern mit Kerzen, Kärtchen, Blumensamen und „Trost-Tee“. Vor allem aber bieten sie Beratung, denn es gibt vieles, worum man sich dann direkt kümmern muss – dafür braucht man Kraft und idealerweise jemanden, der gut Bescheid weiß. Dass es solche Unterstützungsangebote gibt, die nochdazu für die Eltern vollkommen kostenfrei sind, wissen viel zu wenige oder erfahren zu spät davon. Umso wichtiger ist es, darüber zu sprechen und diese Angebote bekannt zu machen, denn eine Empfehlung oder ein Tipp im richtigen Moment kann für Eltern von Sternenkindern einen großen Unterschied bedeuten. Gleichzeitig sind solche Organisationen immer auf Spenden angewiesen, um ihre Arbeit langfristig aufrecht erhalten zu können.

 

Unterstützung für Eltern von Sternenkindern

© Melanie Wiechert mit freundlicher Genehmigung der Eltern

 

Zurück zu Melanie Wiechert: die Fotografin aus dem Raum Stade hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit dem letzten Jahr ist die gelernte Industriekauffrau nebenberuflich selbstständig mit ihrer Kamera unterwegs. Bei ihr stehen Menschen im Vordergrund und sie liebt natürliche Umgebungen, in denen sie Stimmungen und Gefühle einfangen kann. Ihr täglich Brot sind Portrait- und Familienshootings, Hochzeiten und Eventbegleitung. Darüber hinaus ist sie viel ehrenamtlich tätig: neben „Hope’s Angel“ fotografiert sie auch für die Initiative „Dein Sternenkind“, die mittlerweile bundesweit über 600 Fotografen für kostenfreie Erinnerungsfotos für Sternenkind-Familien vermittelt (die Bilder auf der Webseite von „Dein Sternenkind“ sind absolut sehenswert, sie gehen direkt ins Herz!). Für „Tapfere Knirpse“ hält sie die Erinnerung an schwer kranke und behinderte Kinder fest, deren Lebenserwartung oft viel zu kurz ist. Und für die Initiative „Herzbilder“ fängt sie würdevolle Impressionen von demenzkranken Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt ein. Dieses ganz besondere Gefühl, den Familien etwas Bleibendes mitgeben zu können, das sie lange begleiten und die Erinnerung auf wunderschöne Weise bewahren wird, kennen wir selbst in ähnlicher Form auch recht gut – es verleiht dem, was man tut, einen Sinn.

 

Sternenkind Füßchen Erinnerung

© Melanie Wiechert mit freundlicher Genehmigung der Eltern

 

Ich wollte mehr über Melanie’s Arbeit erfahren und habe sie angesprochen – und sie war so freundlich, mir meine Fragen zu beantworten. Mich interessierte als erstes, wie sie dazu kam, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und wieso ihr die ehrenamtliche Arbeit so wichtig ist:

Anfangs habe ich nur für mich selbst fotografiert. Landschaften, Blumen, Tiere und alles andere, was mir vor die Linse kam. Meine Freundinnen mussten immer für alle Ideen, die mir in den Kopf schossen, als „Model“ herhalten. Durch meine Facebook-Seite wurden dann immer mehr Menschen auf meine Bilder aufmerksam, und so trudelte nach und nach die ein oder andere Anfrage für ein Fotoshooting ein. Als dann die erste Hochzeitsanfrage kam, war mir klar, dass ich mehr aus meiner Leidenschaft machen möchte.
Durch Zufall bin ich dann auf die Seite von „dein Sternenkind“ gestoßen. Birgit Rutz war zu diesem Zeitpunkt noch ein Mitglied der Organisation, bevor sie „Hope´s Angel“ gründete. Ich habe lange überlegt, ob ich diese Arbeit wirklich machen kann. Habe viele Berichte von Fotografen aber auch von Eltern gelesen. Und dann war mir klar: ich möchte mit dem, was ich tue, anderen Menschen helfen. Nach und nach habe ich mich dann auch für die anderen Organisationen registriert und bin heute so froh, mit meinen Bildern unbezahlbare Erinnerungen zu schenken.

Warum haben Sie ausgerechnet Sternenkinder und Demenzkranke gewählt – das sind ja beides Themen, bei denen man sich aktiv mit dem Thema „Leben und Tod“ auseinandersetzen muss. Haben Sie da keine Berührungsängste?

Ich denke, jeder von uns Fotografen ist vor einem Einsatz verunsichert. Man weiß nie, was einen erwartet. Wir kennen weder die Menschen hinter der Tür noch ihre Geschichte. Hinzu kommt, dass die Sternenkinder oft nicht so aussehen, wie wir uns ein Baby vorstellen, da sie meist viel zu früh auf die Welt gekommen sind. Dennoch lieben die Eltern ihr Kind so, wie es ist. Ich weiß, wie dankbar ich selbst über solche bildlichen Erinnerungen wäre, und das nimmt mir ein wenig die Angst.

Was empfinden Sie selbst dabei, wenn Sie Sternenkinder fotografieren, und wie sind die Reaktionen der Eltern auf Ihre Bilder?

Ich selbst versuche, das Ganze als eine Art „Job“ anzusehen. Im Moment des Fotografierens ist meine Kamera für mich eine Art Schutzschild. Mein letzter Einsatz war das wohl bisher extremste Kontrastprogramm. Morgens, als ich auf dem Weg war eine Taufe zu fotografieren, bekam ich die Alarmmeldung und wusste, ich bin wenige Stunden später dabei, wie sich Eltern von ihrem Kind verabschieden müssen. Kaum war ich nach meinem Einsatz aus dem Krankenhaus raus, sind mir die Tränen in die Augen geschossen. In solchen Momenten wird einem bewusst, wie nah Leben und Tod bei einander liegen.
Nach Bildübergabe an die Eltern versuche ich für mich selbst, von jedem meiner Sternchen Abschied zu nehmen. Behalte sie aber wohl ein Leben lang in Erinnerung. Jedes Sternchen ist auf seine Art und Weise etwas ganz Besonderes für mich.
Die Eltern reagieren oft sehr unterschiedlich. Viele sind sehr dankbar, umarmen mich, schicken Karten,um sich noch einmal zu bedanken. Andere hingegen müssen das Geschehen erst einmal verarbeiten und schauen sich die Bilder erst Monate später an.

Ich habe in unserem „Wochenblatt“ gelesen, dass Sie einen speziellen Fotografie-Workshop belegt haben, bei dem auch eine medizinische und psychologische Schulung erfolgte. Was haben Sie daraus mitgenommen und was ist für die Eltern von Sternenkindern im ersten Moment das Wichtigste?

Für die Eltern ist dieser Moment eine Extremsituation. Daher ist es besonders wichtig, einfühlsam zu sein. Ich gebe ihnen die Zeit, die sie brauchen. Jeder Einsatz ist anders. Mal verbringt man ein oder mehrere Stunden mit der Familie, mal nur wenige Minuten. In dem Workshop habe ich viele wertvolle Tipps bekommen, die einem die Unsicherheit ein wenig nehmen. Zudem tat es gut sich, mit den anderen Fotografen austauschen zu können.

 

Andenken an ein Sternenkind

© Melanie Wiechert mit freundlicher Genehmigung der Eltern

 

Ich muss sagen, ich bin persönlich sehr beeindruckt von Melanie’s Arbeit und habe großen Respekt vor allen, die sich auf solch menschliche Art und Weise für andere einsetzen. Aus diesem Grund haben wir mittlerweile selbst mit der Gründerin von „Hope’s Angel“ Kontakt aufgenommen und überlegen derzeit gemeinsam, wie auch wir die Organisation unterstützen können. Seit es FOYA gibt, haben wir eine Handvoll Male mit Eltern zu tun gehabt, die ihre Kinder verloren haben – für uns sehr bewegende Momente, in denen wir nicht nur von Herzen mitgefühlt haben, sondern alles Machbare versucht haben, diesen Familien zu helfen: durch die sofortige Zusendung unserer Abdruckmasse für winzig kleine Fußabdrücke, aber vor allem auch durch ein offenes Ohr. Wahrscheinlich ist es nun einfach an der Zeit, dass wir dieses Bedürfnis zu helfen noch mehr in die Tat umsetzen – der Artikel über Melanie Wiechert hat den Anstoß dazu gegeben und ich denke, ich werde in Zukunft noch öfter über die Arbeit von „Hope’s Angel“ und ihr Angebot für Eltern von Sternenkindern erzählen.

Liebe Grüße,
Katja

PS: Hier geht’s zu Melanie Wiechert’s Webseite:

Melanie Wiechert Fotografie Sternenkinder

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