#FAQ: Mit welchen Abdrücken können wir arbeiten?

Trittschaum, Salzteig, Papier, Schnee … Schnee?!?!

Mit meiner #FAQ-Reihe möchte ich in diesem Jahr Fragen, die uns häufig erreichen, mal etwas ausführlicher beleuchten. Eine Frage, die uns immer wieder gestellt wird, ist: “Ich habe einen Abdruck in Material XY, könnt Ihr damit arbeiten?” Die Antwort ist in den meisten Fällen “JA”: wir arbeiten mit allen Abdrücken, die eine gewisse Tiefe haben, aber wir arbeiten auch mit Abdrücken, die einfach nur mit Tinte oder Farbe auf Papier genommen wurden. Und wenn es gar nicht anders geht, arbeiten wir auch mit Fotos von Abdrücken, z.B. im Schnee oder Sand. Aber fangen wir von vorn an:

Abdrücke mit Tiefe

Unser “Haus und Hof”-Abdruckmaterial ist der Trittschaum. Diesen erhaltet Ihr von uns immer, wenn Ihr ein Schmuckstück bestellt, Ihr bekommt ihn aber auch woanders: im Sanitätshaus, wo man Fußabdrücke für Schuheinlagen nimmt. Oder auch mittlerweile im Standardrepertoire vieler Tierbestatter (dann häufig in Verbindung mit einem Bilderrahmen oder Gipsabguss-Set). Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dieses Material einfach zu handhaben ist, weil es rückstandslos ist (kein Tinten- oder Gips-Gematsche) und man im Prinzip auch keine Vor- oder Nachbereitungszeit dafür braucht.

Alternativ werden häufig, gerade im Tierbestattungsbereich, Pfotenabdrücke in Ton genommen. Bei unserem Partner, der Tierbestattung Sonnenaue, zum Beispiel, nimmt Jennifer Brown sehr schöne Pfotenabdrücke in Ton, die sie anschließend liebevoll gestaltet – mehr dazu findet Ihr auf ihrer Webseite “Meine Pfotenliebe“. Wir können direkt mit solchen Tonabdrücken arbeiten, aber wenn Ihr sie nicht der Post anvertrauen und zu uns schicken wollt (was wir voll und ganz nachvollziehen können), könnt Ihr davon auch einfach mit Hilfe unseres Abdruckschaums ein “Negativ” nehmen, wie das funktioniert, könnt Ihr hier nachlesen: Bestehende Abdrücke abformen. Auf dem Bild seht Ihr den Pfotenabdruck der Hündin Sassy, der als Erinnerungsstück in Ton genommen worden war und den wir anschließend in einem Goldanhänger umgesetzt haben (über die “Negativ”-Variante, denn die Kundin wollte das Original nicht aus den USA zu uns schicken – verständlicherweise!).

Als nächstes gibt es Materialien wie Fimo, Gips (meist als Abguss aus einem anderen Material), Alginat oder auch Salzteig, die sich ähnlich gut handhaben lassen. Eine Kundin aus Indien hatte Abdrücke in “edible gum paste” genommen – was das ist, weiß ich bis heute nicht, aber als es nach einigen Wochen Transfer bei uns ankam, war es feucht und noch leicht biegsam. Zum Thema Salzteig haben wir hier eine ziemlich lustige Geschichte für Euch: “Wie ich zu meinen Pfötchen-Anhängern von FOYA kam” von unserer lieben Freundin Nadia, deren Hunde den Salzteig lieber essen wollten als ihre Pfoten da hinein zu drücken. Salzteig ist, ganz offen gesprochen, auf Grund der Verformung, die beim Backen passieren kann, nicht uns Favorit unter den Abdruckmaterialien. Hier seht Ihr den Hufabdruck eines neugeborenen Fohlens in Salzteig, aus dem wir einen Goldanhänger gefertigt haben:

Abdrücke ohne Tiefe

Manchmal ist es einfach nicht möglich, Abdrücke mit Tiefe zu nehmen. In Krankenhäusern bei Neugeborenen gehört es heutzutage fast schon zu “Standardservice”, Fußabdrücke mit Tinte auf einem kleinen Geburtskärtchen zu nehmen – und manchmal ist das der einzige Abdruck, den man hat. Tierbestatter nehmen auch hier und da Pfotenabdrücke mit Tinte auf Papier. Damit arbeiten wir auch, wobei jedoch das Ergebnis im Schmuckstück nachher etwas anders wirkt als bei den Stücken, bei denen wir einen Abdruck mit Tiefe als Vorlage hatten.

Das liegt daran, dass wir bei Abdrücken auf Papier die Tiefe der einzelnen Abdruckregionen nur simulieren können, denn auf Papier wird nicht unterschieden, ob ein Abdruck tief oder flach oder irgendetwas dazwischen ist, sondern entweder die Farbe ist abgedrückt oder sie ist es nicht – schwarz oder weiß. Dadurch kommen kleine Hautfältchen deutlich stärker zu Geltung als das bei Abdrücken mit Tiefe der Fall ist – und dieser Effekt kann sogar gewollt sein. Gerade erreichte uns die Frage nach einem Handabdruck, bei dem unbedingt die Lebenslinie gut sichtbar sein soll. In solchen Fällen ist der Abdruck auf Papier die bessere Variante.

Im Übrigen arbeiten wir im Bereich der Fingerabdrücke seit einiger Zeit fast ausschließlich mit Abdrücken auf Papier, alle Hintergründe dazu findet Ihr hier auf unserem Blog: “Neues zu unserem Schmuck mit Fingerabdruck“.

Da wir selbst auf unseren besonderen 3D-Stil aber ziemlich stolz sind und ihn, um ehrlich zu sein, deutlich schöner finden, ist uns sehr daran gelegen, bei den Hand-, Fuß- und Pfotenabdrücken mit Abdrücken auf Papier tatsächlich nur in den Fällen zu arbeiten, in denen es wirklich nicht anders geht oder ein besonderer Grund dahinter steht (wie die Sache mit der Lebenslinie).

Werden die Abdrücke bearbeitet?

Kommt drauf an. Ob und wie sehr wir Abdrücke bearbeiten ist ein Balance-Akt zwischen zwei Zielen: 1. der Abdruck soll so originalgetreu wie möglich ins Schmuckstück kommen, und 2. das Schmuckstück soll so schön wie möglich werden. Das bedeutet: wir modellieren Teile des Abdrucks weg, bei denen klar ist, dass sie nicht zum Originalabdruck gehören. Also beispielsweise wenn neben einem Kinderhandabdruck noch Eindrücke von Mama’s Fingern sind, die hier ein bisschen nachgeholfen haben, oder wenn das Bündchen vom Kinderpulli am Handballen mit abgedrückt ist, dann soll das natürlich nicht im Schmuckstück zu sehen sein. Schwieriger wird es schon bei der Frage nach der Wolfskralle, also dem “Daumen” an Tierpfoten. Manchmal sitzen diese relativ weit weg vom Pfotenabdruck und würden im Schmuckstück eher danach aussehen, als wäre jemand abgerutscht und hätte eine Schacke ins Schmuckstück gehauen – in solchen Fällen lassen wir die Wolfskralle lieber weg.

Manchmal gibt es auch schwierige Fälle, zum Beispiel hatten wir grad eine sehr liebe Kundin, deren Hündin schon so alt und leider auch krank ist, dass sie Schmerzen bei der Abdrucknahme hatte. Da die Hündin aber als Therapiehund ausgebildet ist, konnte die Kundin ihr ein Kommando geben (so ähnlich wie “drück auf den Lichtschalter”) und die Hündin hat quasi selbst einen Pfotenabdruck von sich genommen (ein zweites Mal hat das nicht funktioniert, da war die Hündin der Abdruckmasse gegenüber misstrauisch geworden). Wir hatten also nur einen einzigen Abdruck, mit dem wir arbeiten konnten, und wussten auch, dass es keinen zweiten Versuch einer Abdrucknahme geben würde. Deshalb haben wir hier relativ stark nachmodelliert, um die Pfote richtig schön herauszuarbeiten. Sowas machen wir allerdings nur nach Rücksprache mit der Kundin oder dem Kunden.

Bei Abdrücken auf Papier können wir auf Wunsch auch nacharbeiten und ungewollte Tintenkleckse entfernen. Auch hier ist es immer eine Frage, wie originalgetreu man bleiben möchte. Eine Kundin von uns wollte beispielsweise überhaupt nicht, dass wir die Haare zwischen den Pfotenballen, die auf dem Tintenabdruck zu sehen waren, wegnehmen – und so war das Fell dann auch im Schmuckstück erkennbar. Wir haben nur rund um den Pfotenabdruck herum ein bisschen “sauber gemacht”, um die Konturen der Pfote gut sichtbar zu machen.

Was sonst noch geht

Wenn es weder einen Abdruck mit Tiefe noch einen auf Papier gibt, den wir für Euer Schmuckstück verwenden können, dann muss man eben kreativ werden. Auch mit einem Foto von einem Abdruck im Schnee oder Sand können wir arbeiten. Das ist dann so ein “Zwischending”: meistens sind mehr Schattierungen der Tiefe erkennbar als bei einem Abdruck auf Papier, aber wir müssen die Tiefe trotzdem simulieren, weil wir den Abdruck ja nicht mit den original Höhen und Tiefe vorliegen haben. Die Ergebnisse sind bisher aber ganz gut geworden, sodass wir Euch auch diese Variante guten Gewissens anbieten können.

Ihr seht also, wir sind nicht wirklich festgelegt, sondern können sehr flexibel mit dem arbeiten, was Ihr habt. Zum Schluss zeige ich Euch noch ein paar Fotos von Abdrücken, mit denen wir bereits gearbeitet haben:

1. Ein Hufabdruck eines Esels, hier in Weißgold verewigt.

2. Eine Kaninchenpfote auf einem silbernen Herzanhänger.

3. Der Pfotenabdruck einer Bartagame (der Abdruck wurde in Zwei-Komponenten-Silikon genommen, das wir früher für unsere Fingerabdrücke verwendet haben – kriegt man auch beim Hörgeräte-Akustiker).

4. der/die (?) ominöse “edible gum paste” aus Indien (sieht eigentlich ganz unspektakulär aus).

5. hier bin ich mir nicht sicher, was das ist, ich würde es für eine Art Fimo halten, aber es ist deutlich biegsamer als “normales” Fimo und sehr leicht – falls jemand von Euch weiß, was das ist, schreibt es mir gern unten in die Kommentare – danke!

So, das soll es für heute gewesen sein, ich hoffe, das Durchscrollen hat Euch ein bisschen Spaß gemacht. Wie immer könnt Ihr jederzeit gern auf uns zukommen, wenn Ihr weitere Fragen habt, ganz viele Infos findet Ihr schon auf unserer “Häufige Fragen“-Seite und unsere Blog-Rubrik #FAQ werde ich in nächster Zeit auch weiter füllen, um Euch ein paar Einblicke zu geben, wie wir arbeiten, was alles möglich ist und worauf man achten sollte.

Bis dahin, alles Liebe und bleibt gesund!
Eure Katja

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