Kurz vorgestellt: Sternlichtbestattungen

Unsere Partnerin Eva Finkam in der Schweiz

In den letzten Jahren hat sich unser Partnernetzwerk stetig erweitert. Für uns ist es in erster Linie wichtig, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die ähnlich ticken wie wir: die nicht auf die Uhr oder aufs Konto schauen, um zu entscheiden, ob und wie sie mit Menschen zusammenarbeiten, sondern die in erster Linie aus ihrem Herzen agieren. Umso mehr haben wir uns gefreut, als uns Eva von Sternlicht Bestattungen vor fast genau zwei Jahren anschrieb und fragte, ob wir uns eine Kooperation mit ihr vorstellen könnten.

Wir haben zunächst einige Male gemailt und telefoniert, um die Erwartungen auf beiden Seiten abzugleichen und zu schauen, ob die Chemie stimmt. Anschließend haben wir Eva ein Paket mit Abdruckmaterial, Flyern und weiteren Infos zu unseren Schmuckstücken zugeschickt. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass unsere Kooperationen niemals Vorgaben beinhalten, welche Art oder Anzahl an Schmuckstücken vermittelt werden soll – es ist von unserer Seite immer nur ein offenes Angebot an Hinterbliebene, das sich in das Angebot unserer Partner einreiht als eine von verschiedenen Möglichkeiten, den Abschied für sich zu gestalten.

Bestattungen für Kinder

Eva hat sich vor einigen Jahren als Bestatterin insbesondere für Kinder selbstständig gemacht. Ich habe mit ihr ein kurzes Interview geführt und möchte sie Euch heute etwas näher vorstellen.

Liebe Eva, Du hast Dich auf die Bestattung von Babys und Kindern spezialisiert. Wie bist Du dazu gekommen?

Ich habe 2016 Sternlicht Bestattungen gegründet, weil ich bei meiner Tätigkeit als klassische Bestatterin immer wieder damit konfrontiert war, dass bei einem Kindertod kein geeignetes Angebot vorhanden war. In diesen unwiederbringlichen Tagen werden die Weichen gestellt für das Weiterleben und die anschließende Trauerzeit. Denn wie die Trauerfamilien diese verletzliche Zeit erleben, wirkt grundlegend als tragende Erfahrung in ihr weiteres Leben hinein.

Wo siehst Du den bedeutendsten Unterschied zwischen der Bestattung eines Kindes und der eines Erwachsenen? Gibt es eine bestimmte Altersgrenze, bis zu welcher Du Kinder bestattest?

Die Bedürfnisse bei einem Kindertod sind völlig anders als wenn ein alter Mensch stirbt. Der pragmatische Standardablauf der Bestattungstage ist bei einem Kindertod oft ungeeignet. Eltern wollen in den Bestattungstagen noch einmal alles für ihr Kind tun, überall dabei sein können, wo sie möchten, und persönlich mitgestalten. Sie brauchen deshalb transparente Informationen, um daraus selbstbestimmt entscheiden zu können, was und wie es für sie als Familie individuell passt. Besonders wichtig ist es mir auch, Geschwisterkinder altersentsprechend teilhaben zu lassen, das wird oft vergessen.

Ich bin in der ganzen Deutschschweiz tätig und begleite Trauerfamilien mit still geborenen Babys, Kindern, Jugendlichen und manchmal auf Anfrage Erwachsene, besonders bei betroffenen nahen Kindern im nahen Umfeld.

Was ist aus Deiner Sicht das Wichtigste, das Familien in solch einer Situation brauchen? Gibt es etwas, das Du den Familien mit auf den Weg gibst?

Ich bin immer wieder über die verschiedenen Varianten der individuellen Vielfalt von authentisch gelebter Bestattungskultur überrascht und berührt. Den Trauerweg selbst in die Hände zu nehmen, macht den Prozess besonders würdig und schafft lebenslangen Trost und spielt eine Schlüsselrolle im facettenreichen Trauerprozess.

Die Trauerfamilie soll jederzeit neu entscheiden können: was sie gemeinsam tun oder abgeben möchten. Viele Faktoren spielen eine Rolle: wie die Lebenssituation, ihr soziales Umfeld, ihr Glaube, ihr kultureller Hintergrund, ihre persönlichen Werte und Ressourcen.

Trauer braucht Schutz, Raum, Halt, Ermutigung, Toleranz für Vielfalt und Zeit. Wenn Eltern und Geschwister die Tage zwischen Tod und Bestattung mit ihrem verstorbenen Kind/ Geschwister selbstbestimmt gestalten können, ist dies eine tragende Erfahrung für alle beteiligten Personen. “Wir haben sogar dieses Unvorstellbare zusammen erlebt, gestaltet, ausgehalten.” Das stärkt die Verbindung miteinander und mit dem verstorbenen Kind.

Wenn man so viel mit Trauer und Verlust zu tun hat wie Du, wie schafft man es, für sich selbst die Lebensfreude zu bewahren? Kannst Du von Deinem Job überhaupt abschalten?

Meine Arbeit berührt mich, macht mich demütig und zeigt mir immer wieder, dass die Liebe die grossartige Kraft ist, die uns trägt. Meine Kraftquellen sind Spaziergänge in der Natur und ein ruhiges Privatleben im Kreise meiner Familie.

Hier in Deutschland kommt das Thema Sternenkinder derzeit langsam in der modernen Abschiedskultur an – Bestattungen für Sternchen werden immer häufiger ermöglicht und Familie werden sensibler begleitet, beispielsweise in den Krankenhäusern. Es gibt zunehmend mehr Initiativen und Angebote zur Unterstützung von Sterneneltern. Wie ist das in der Schweiz?

In der Regel ist Deutschland als größeres Land etwas weiter als die Schweiz, so gibt es schon länger Kinderhospize in Deutschland. In der Schweiz eröffnet das erste im 2023, worüber ich unendlich dankbar bin. Ich habe auch schon in Deutschland Trauerfamilien begleitet, da ich selber in Deutschland auf die Welt gekommen bin, bin ich halbe Deutsche. Ein spezifisches Angebot wie Sternlicht für Kinderbestattung findet man in der Schweiz kaum, da es nicht wirtschaftlich ist und immer sehr, sehr viel Arbeit im Ehrenamt bedeutet.

Große Abdruckkästchen für Familien

Als wir 2017 unsere Kooperation mit dem Hope’s Angel Netzwerk zur Begleitung von Sterneneltern begannen, entwickelten wir kleine Abdruckkästchen, mit denen Eltern die kleinen Hand- und Fußabdrücke ihrer Sternchen bewahren können. Diese Kästchen werden mittlerweile in Krankenhäuser und direkt an betroffene Eltern in ganz Deutschland verteilt.

Eva wünschte sich von uns extra große Abdrucksets, mit denen nicht nur die Abdrücke der Sternchen, sondern die der ganzen Familien festgehalten werden können. So haben wir extra für Eva ein “Familien-Abdruckset” entwickelt, die sie ihren Trauerfamilien zur Verfügung stellt und mit ihnen gemeinsam die letzten Abdrücke ihres Sternenkinds nimmt. Auch die kleinen Schatzkästchen werden bei Eva’s Sterneneltern immer wieder gern angenommen.

Wir sind immer wieder dankbar, mit Herzensmenschen wie Eva zusammenarbeiten zu dürfen. Seit einigen Wochen sind wir ja auch Mitglied im Bohana Netzwerk, darüber erzähle ich Euch in Kürze mehr, denn auch hier vernetzen wir uns mit wundervollen Menschen, denen die einfühlsame Begleitung vor, während und nach dem Lebensende wichtig ist und die hier unglaublich kreative, wunderschöne Ansätze entwickelt haben. Für uns eine große Inspiration und ein rundum gutes Gemeinschaftsgefühl. Schließlich ist es immer wieder das Miteinander, das den größten Wert in unserem Leben hat – und darüber hinaus.

Alles Liebe

Eure Katja

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